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Van Halen live! Die besten und schlimmsten Momente

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 Van Halen Bildnachweis: Van Halen: Basel Tiyde / Retna Ltd

Van Halen live! Die besten und schlimmsten Momente

Sammy Hagar sollte Gary Cherone ein paar Blumen schicken – oder zumindest eine Flasche Cabo Wabo Tequila. Es bedurfte der kurzen, unglücklichen Rolle des ehemaligen Extreme-Frontmanns Cherone als Van Halens Leadsänger – der 1998 das abscheuliche „Van Halen III“ produzierte – um die Aussicht auf Van Hagar wieder appetitlich zu machen. Daher der begeisterte Empfang der wiedervereinten Pop-Metal-Titanen durch die überwiegend mittleren Altersmassen bei ihrem Stopp am 22. Juni in der Continental Airlines Arena in East Rutherford, New Jersey. Einige Höhepunkte:

DIE ERSTAUNLICHSTE MUSIKFÄHIGKEIT
Eddie Van Halens techniklastige Gitarrensoli – die alle 10 Finger und anscheinend auch ein paar Zehen verwenden – sind so unmodern wie große Haare und Stulpen. Aber er bleibt einer der erstaunlichsten Rockgitarristen aller Zeiten – fähig zu konventionell virtuosen, notenlastigen Läufen (wie das Solo im Konzert-Opener „Jump“ und die quietschenden, außerirdischen Geräusche in „Runaround“), die Rage Against the Machine/Audioslave ausmachen Tom Morello zu schade. Er ist auch einer der wenigen Spieler, die ein unbegleitetes 10-minütiges Gitarrensolo (das über 12 separate Verstärker halsbrecherisch laut gespielt wird) zu kurz erscheinen lassen können.

BESTE VERWENDUNG EINES ELEKTROWERKZEUGS
Eddie hielt eine elektrische Bohrmaschine an seine Gitarrensaiten für die Eröffnung des heftig riffigen Tobens „Poundcake“ und erzeugte einen einzigartig coolen surrenden Effekt, den eine schlaue junge Band (oder angesagter Produzent) klugerweise abzocken würde. Lil’ Jon, hörst du zu?



BESTER FANBERICHT
Hagars melodischer Schrei war einst einer der besten des Hardrock – so wünschte sich Jack Black, dass er in Tenacious D klingen würde. Seine Stimmkraft ist verblasst, sodass er selbst bei von David Lee Roth stammenden Melodien wie „Jump“ ( obwohl seine Version von „Panama“ perfekt war). Aber Hagar – in einem clownesken, komplett gelben Outfit – zeigte eine bewundernswerte Verbindung zu den Fans. Jeder Gegenstand, der auf die Bühne geworfen wurde, fand seinen Weg auf seinen Körper – er zog eine Baseballmütze, ein Sporttrikot und ein T-Shirt an und wickelte dann ein Fanbanner wie einen Rock um seine Taille. Schade, dass niemand Damenunterwäsche geworfen hat.

BESTER VERSTECKTER SÄNGER
Bassist Michael Anthonys reine Harmonien im Beach-Boys-Stil waren schon immer der Schlüssel zu Van Halen, besonders bei frühen Power-Pop-Tracks wie „Jamie’s Crying“. Bei der Show in New Jersey übernahm der Vokuhila-Sportler Anthony – seine hohen Töne intakt – sogar kurzzeitig den Lead-Gesang bei Songs wie „Somebody Get Me a Doctor“.

BESTE ZEIT FÜR EINE BADEZIMMERPAUSE
Eddie, Anthony und Schlagzeuger Alex Van Halen nutzten alle ihre unbegleiteten Soli (ein Dinosaurier-Rock-Klischee, das vielleicht wieder angesagt ist – Blink-182-Schlagzeuger Travis Barker nimmt ein solches Solo auf der aktuellen Tour der Band). Aber Hagar nutzte seine Solo-Gelegenheit, um zwei von Herzen kommende, aber entsetzlich rührselige Balladen zu spielen – darunter „Eagles Fly“, das er als Lied über die Geburt beschrieb. Aber selbst eine Geburt kann nicht so schmerzhaft sein.

SCHLECHTESTES NEUES LIED
Die Band spielte mehrere neue Tracks aus ihrer kommenden Greatest-Hits-Sammlung, und die meisten waren nicht schlecht – das lustige, bluesige „Up for Breakfast“ war besser als ein Großteil des Materials der Band aus den 90ern. Aber der letzte neue Song des Abends, „Learning to See“, war eine Power-Ballade, die viel zu lange brauchte, um zum „Power“-Teil zu gelangen. „Das ist SCHEISSE!“ schrie ein schlauer Fan.

UNGEWÖHNLICH KAMERADIE
Eddie und Sammy – die sich bis vor Kurzem allem Anschein nach verabscheut hatten – wirkten geradezu kumpelhaft. Sammy neckte Eddie sogar wegen seiner bizarren neuen Frisur – einem flohähnlichen Haarknoten – und Eddie warf ihn nicht aus der Band. Noch.

Was haltet ihr von Van Halens Reunion?