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S21: Die Tötungsmaschine der Roten Khmer

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  S21: Die Tötungsmaschine der Roten Khmer

S21: Die Tötungsmaschine der Roten Khmer

Typ B+
  • Film
Genre
  • Dokumentarfilm

S21: Die Tötungsmaschine der Roten Khmer zeigt den erstaunlichen Anblick ehemaliger Folterer des Pol-Pot-Regimes und auch einiger ehemaliger Opfer, die sich alle in den jetzt leeren, sonnendurchfluteten Räumen von S21 unterhalten, dem berüchtigten kambodschanischen Gefängnis, in dem 17.000 Menschen verhört und getötet wurden. Einer der Wärter beschreibt eine besonders gruselige Form der Folter, bei der den Gefangenen eine Infusion in jeden Arm gesteckt wurde, damit ihr Blut abfließen konnte. „Sie atmeten wie Grillen“, erinnert er sich. „Ihre Augen traten hervor.“ Doch dann macht er ein verblüffendes Geständnis: Da bekannt war, dass jeder einzelne der Gefangenen zum Tode verurteilt war, dienten die Verhöre keinem wirklichen Zweck – nämlich keinem, außer den Folterern einen Vorwand zu bieten, ihren dunkelsten Impulsen nachzugeben. Für einen Moment sehen Sie die Seele eines Völkermordregimes: Gräueltaten, die aus einem ideologischen „Grund“ begangen wurden, obwohl die Gräueltaten tatsächlich der Grund waren.

Wie jeder organisierte Massenmord kann der überwältigende Terror des kambodschanischen Völkermords mit Zahlen beschworen werden. 1970 hatte das Land 7,7 Millionen Einwohner; Zu der Zeit, als Pol Pot, der maoistische Diktator, der 1975 aus dem Chaos Vietnams die Macht übernahm, mit der „Umerziehung“ und dem Abschlachten seines Volkes fertig war, waren 1,7 Millionen von ihnen tot. Doch „S21“ ist im Gegensatz zu vielen Dokumentarfilmen über die Nazizeit kein widerwärtiges Panorama der Brutalität. Auf Video aufgenommen, ist es ruhig und intim – eine Reihe von Dialogen, in denen ein halbes Dutzend ehemaliger Wärter in gespenstisch distanziertem Ton die Dinge besprechen, die sie getan haben, und sie sogar in den Kammern und Korridoren des Gefängnisses nachspielen.

In einer Zeit, in der das Thema Folter in unserer Welt eine so große Rolle spielt, zeugt „S21“ von der erschreckenden Leichtigkeit, mit der gewöhnliche Männer die Grenze zum mörderischen Sadismus überschreiten können. Doch muss ich sagen, dass der Film wenig bis gar kein Licht auf die Psychologie dieser Transformation wirft. Was ging den Schlägern der Roten Khmer durch den Kopf, als sie ihre Landsleute folterten und töteten? Es mag zum Plan menschlicher Barbarei gehören, dass solch ein Übel undurchsichtig bleibt.



S21: Die Tötungsmaschine der Roten Khmer
Typ
  • Film
Genre
  • Dokumentarfilm
mpaa
Laufzeit
  • 101 Minuten
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