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Missy Elliott sieht das Licht auf ihrer neuen CD

Artikel
  Miss Elliot Bildnachweis: Missy Elliott Foto von Anton Corbijn

Bauarbeiten im Gange

Typ
  • Musik
Genre
  • HipHop/Rap

Getreu ihrem Namen verstößt Missy „Misdemeanor“ Elliott genau in diesem Moment gegen eine der Kardinalregeln des Pop-Universums. Der reuelose Rapper hat gerade eine Wohnung auf Williams Island gemietet, einem exklusiven Eigentumswohnungskomplex nördlich von Miami, in dem unter anderem Whitney Houston und Bobby Brown leben. Aber einziehen kann sie noch nicht. „Sie stellen jetzt den Wasserfall an meine Stelle und er ist undicht“, sagt Elliott. Hat TLC diesem Rap-Bad-Girl nicht die Gefahren beigebracht, Wasserfälle zu jagen?

Das Wasservergehen hat Elliott in einen der unwahrscheinlichsten Hip-Hop-Treffpunkte eingesperrt, die man sich vorstellen kann: ein betäubend langweiliges Marriott Residence Inn am Stadtrand von Miami, wo zombieartige Bizzer durch die Flure streifen und die einzige Aktion in Hörweite Montel Williams’ Drohne auf dem Lounge-TV ist. Sie würden mehr Zahnseide auf einer Zahnprothesenkonvention finden.

So sollte es nicht sein, einen Nachmittag mit einem der größten Rap-Stars zu verbringen. Es ist also keine geringe Erleichterung, als Elliott – frisch schlank nach einem dramatischen Gewichtsverlust von XL auf M im letzten Jahr und mit einer Baskenmütze und einem Golden State Warriors-Trikot – in ihrem brandneuen 260.000-Dollar-Ferrari 360 Spider auftaucht und sie ankurbelt aktuellen Top-5-Hit „Work It“ auf einer Reihe von kopfschüttelnden Lautsprechern und macht sich auf den Weg zu Zielen, die eher einer Künstlerin ihrer Multiplatin-Statur angemessen sind. Nach einem Boxenstopp zum Tanken und einer Tüte Cheetos („Ich schummele hin und wieder“) steuert Elliott den Ferrari zu den Hit Factory Criteria Studios, wo sie an neuen Strecken feilt.



So ist es besser. Kriterien ist der Raum, in dem James Brown „I Got You (I Feel Good)“ hinlegte. Wo Derek und die Dominos „Layla“ entfesselten. Wo die Bee Gees „Stayin‘ Alive“ rausschmetterten. Und, was noch wichtiger ist, wo Elliott und ihr langjähriger Mitarbeiter Timbaland ihr viertes Album Under Construction erstellt haben, eine äußerst unterhaltsame Mischung aus herzlicher Old-School-Nostalgie und hochmoderner Produktion des nächsten Jahres, die mit Sicherheit ihr viertes Album wird Platin-verkauftes Album in Folge. Retro-Referenzen und alberne Texte gibt es zuhauf. Die zweite Single „Gossip Folks“ basiert auf einem erweiterten Riff von Frankie Smiths Hit „Double Dutch Bus“ von 1981 (Beispiel für einen Missy-Text: „Ya’ll job just hangin up coats/Step to me get burnt like toast“). „Funky Fresh Dressed“ ist eine Hommage an U.T.F.O.s „Roxanne, Roxanne“, das sich in „Paul Revere“ von den Beastie Boys verwandelt (Beispiel eines Missy-Textes: „Yes, my vision blurry/My speech is very mud/Me without Tim is wie Jamaikaner ohne Curry“). Und „Back in the Day“ ist eine Klage über das goldene Zeitalter des Rap (Beispieltext von Missy: „I rocks the mic right, ob ich betrunken oder nüchtern bin“). „Für die neue Generation wird es wie etwas Neues klingen“, sagt Elliott, der an einem Tisch direkt hinter einer imposanten Steuertafel in Criterias Studio A sitzt. „Für die alte Generation wird es eine Erinnerung sein. Es funktioniert in beide Richtungen. Wir hatten das Gefühl, nichts falsch machen zu können.“

Die Bauarbeiten begannen, als Elliott und Timbaland in der Hoffnung auf Inspiration einen Stapel Old-School-Hip-Hop-Vinyls in einem Gebrauchtplattenladen in North Miami Beach kauften. Der bahnbrechende Hip-Hop-12-Zoller „Roxanne, Roxanne“ war eine ihrer Partituren. So waren „Paul Revere“ und Platten von Run-DMC, Big Daddy Kane, sogar Kid ‘N Play. „Als wir ins Studio zurückkamen und diese Platten auf den Plattenteller legten, dachten wir: ‚Dag, das fehlt der Musik gerade“, erinnert sich Elliott. „Musik hat damals so viel Spaß gemacht. Es war warm. Jetzt ist es so angespannt im Hip-Hop. Musik war damals so ein Teil unseres Lebens. Es ging darum, jede Zeile zu lernen. Jetzt sind Kinder am Computer. Sie kommen in die Musik, aber nicht in dem Maße, in dem wir es waren. Es fühlt sich anders an…. Als Hip-Hop für mich anfing, verdienten die Leute nicht so viel Geld wie heute. Es war aus Liebe, es zu tun und Spaß daran zu haben.“

Bauarbeiten im Gange
Typ
  • Musik
Genre
  • HipHop/Rap