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Jetzt ist hier nirgendwo

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Jetzt ist hier nirgendwo

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Die Secret Machines wollen deinen Körper bis zum Morgengrauen rocken, aber sie nehmen sich dafür ihre Zeit. Viele Songs auf ihrem ersten Album „Now Here Is Nowhere“ beginnen als finsteres Grollen – stellen Sie sich ein schläfriges New Order mit John Bonham von Led Zeppelin hinter dem Schlagzeug vor. Erst nach ein paar Minuten öffnen die Sänger den Mund und die Musik beschleunigt in Vollgas, als wären die Songs gerade aus dem Tiefschlaf erwacht und hätten fünf Tassen Kaffee getrunken.

Im Gegensatz zu vielen US-Underground-Bands zielt das Trio – einst aus Dallas, jetzt aus New York City – darauf ab, ein imposantes Klangschloss zu errichten, das mehr Proggern und Schuhguckern der Vergangenheit als Punk-Thrashern zu verdanken ist. (Sie heben sich auch stimmlich von anderen ab: Sänger/Gitarrist Benjamin Curtis und Bruder/Bassist/Keyboarder/Sänger Brandon Curtis klingen wie Briten, die Amerikaner imitieren.) Daher ist es absolut logisch, dass „Now Here Is Nowhere“, das am 18. Mai im Handel erhältlich ist, seit Monaten erhältlich ist auf iTunes und der Website der Band: Es belebt stolz das lange sterbende Genre des Kopfhörer-Rocks.

Du erinnerst dich an Kopfhörer-Rock, oder? Die Secret Machines tun es und ihre Einflüsse sind über das ganze Album verteilt. Man kann Anklänge an Pink Floyd, My Bloody Valentine und andere Klanghüllkurven hören, die schon immer besser waren, wenn man sie direkt ins Ohr kurbelte. The Machines erschließen dieses majestätische Erbe der Psychedelia, die für sich allein steht, und modernisieren es mit melodischem Fleischwolf-Sound. Nach dem Auftakt mit „First Wave Intact“, einem fast neunminütigen Breaker auf Breaker von metallischem Thrash, fährt das Trio fort, das Pulverisierende, das Hooky und das Rätselhafte in bezaubernden Tracks wie „Light’s On“, „The Leaves Are Gone“ ( Nick Drake goes Kraut Rock) und „The Road Leads Where It's Led“ mit seinem gruseligen Refrain „bläst alle anderen Kids weg“. Letzteres könnte als Columbine-Referenz interpretiert werden, aber die Texte der Songs sind unheimlich zweideutig – alles verschwommene Bilder von winterlicher Einöde, unaufhörlichem Regen und Menschen, die aufgrund psychischer oder chemischer Erschöpfung ausschlafen.



Manchmal werden die Maschinen zu prog & roll. Mit all der doomigen Atmosphäre und den von Roger Waters inspirierten Kriegsbildern ist „Pharaoh’s Daughter“ kaum mehr als die dunkle Seite des Mondes eines armen Mannes. Aber selbst solche schwachen Glieder auf einer ansonsten potenten Scheibe erfüllen einen Zweck. Damals, als Bands wie Floyd in ihrer Blütezeit Mitte der 70er Jahre standen, taten diejenigen, die es vorzogen, sich mit Kopfhörern und Lieblings-LPs in ihren Schlafzimmern zusammenzukauern, dies aus Langeweile, Selbstgefälligkeit oder einem Burnout nach den 60ern. Im Gegensatz dazu ist Now Here Is Nowhere Solitaire-Rock für eine neue Ära, in der es nicht nur ein Luxus, sondern manchmal eine Notwendigkeit ist, die Welt auszusperren.

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